Reifen: Was bedeutet eigentlich das Reifenlabel?

Geschrieben von am. Veröffentlicht in Tipps & Trends

Quelle: ContinentalQuelle: Continental

Bei Neureifenkauf sollten Autofahrer unbedingt auf das Reifenlabel achten. Seit November 2012 gilt eine europaweit einheitliche Kennzeichnungspflicht für Kraftfahrzeugreifen: Das EU-Reifenlabel informiert anhand von drei Kriterien über die umwelt- und sicherheitsrelevanten Eigenschaften eines Reifens: den Kraftstoffverbrauch, die Nassbremseigenschaften und die Fahrgeräusche. Alle drei sind eine Forschung für sich. Wir klären auf, was sie über die Reifenkennzeichnung wissen sollten.

Quelle: Continental AGQuelle: Continental AGDas EU-Reifenlabel wurde im Jahr 2012 verpflichtend für alle neuhergestellten Reifen eingeführt und soll die Vebraucher über die wichtigsten Eigenschaften eines Reifens informieren. Dazu hat sich die EU-Kommission drei Eckdaten herausgepickt: Den Kraftstoffverbrauch, die Nassbremseigenschaften und die Außenlautstärke während der Fahrt. Diese werden auf dem Label veranschaulicht.

Weniger Rollwiderstand bedeutet weniger Kraftstoffverbrauch

Der Rollwiderstand ist der wohl wichtigste Wert, wenn es um die Effizienz eines Reifens geht, denn er steht in direktem Zusammenhang zum Kraftsoffverbrauch des Fahrzeugs. Bei den gängigen aktuellen Fahrzeugen entstehen 20 bis 30 Prozent des Kraftstoffverbrauchs durch den Rollwiederstand der Reifen. Er wirkt ständig der Bewegungsenergie des Fahrzeugs entgegen und muss bei jeder Beschleunigung überwunden werden. Der Rollwiderstand wird auf einem Rollenprüfstand ermittelt. Da die Beurteilung des Reifens für den Verbaucher besonders anschaulich gestaltet werden soll, wird auf dem Label direkt angegeben, wie der Reifen den Verbrauch des Fahrzeugs beeinflusst. Dabei nimmt der Verbrauch relativ zur Klasse A (entspricht einem Durchschnittsverbrauch von 6,6 Litern auf 100 Kilometer) von B bis G zu.

Effizienzklasse A B C D E F G
Mehrverbrauch gegenüber vorheriger Klasse keiner bis 0,10 l/100km bis 0,12 l/100km (entfällt) bis 0,14 l/100km bis 0,15 l/100km mehr als 0,15 l/100km
Mehrverbrauch gegenüber Klasse A keiner bis 0,10 l/100km bis 0,22 l/100km (entfällt) bis 0,36 l/100km bis 0,51 l/100km mehr als 0,66 l/100km

Die Nasshaftung ist eine wichtige Sicherheitsgröße

Hierbei ist die Bremsleistung auf nasser Fahrbahn bei einer Vollbremsung von 80km/h auf null dargestellt. Dabei nimmt der Bremsweg im Vergleich zur Klasse A (ein Standardwert von 28 Metern) von B bis G zu. Ein Auto mit Reifen der Klasse steht also bei dem Test erst nach 46 Metern. Es würde im Falle eines 28 Meter entfernten Hindernisses mit einer Geschwindigkeit von ca 50 km/h auf dieses auffahren, während ein Auto mit den Reifen der Klasse A rechtzeitig anhalten könnte.

Bremsklasse A B C D E F G
Bremsweg + 0 m + 3 m + 4 m (entfällt) + 5 m + 6 m (entfällt)
summierende Bremswegverlängerung + 0 m + 3 m + 7 m (entfällt) + 12 m + 18 m (entfällt)

Die Lautstärke des Reifens

Zur Einordnung: Ihr Fernseher hat ungefähr eine Lautstärke von 70 Dezibel. Wenn das Telefon klingelt können es auch mal 90 Dezibel werden. Der laufende Rasenmäher liegt ebenfalls „nur“ bei 70 Dezibel. Ein lautes Donnergrollen kommt auf stolze 120 Dezibel. Schon diese Aufstellung zeigt, dass die Art, wie wir Geräusche wahrnehmen, nicht nur etwas mit der tatsächlichen Lautstärke zu tun hat. Es gibt Geräusche mit 70 Dezibel, die wir als angenehm empfinden und andere, die darunter liegen, uns aber großes Unbehagen bereiten.

Wie klingt eigentlich ein Reifen?

Nirgendwo kann man das so gut beobachten wir in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Reifenherstellern. Wer hätte das gedacht: Bei Reifenherstellern gibt es tatsächlich Mitarbeiter, die sich ausschließlich mit der Geräuschentwicklung und -optimierung von Reifen im Einsatz beschäftigen. Hintergrund ist unter anderem die Richtlinie zur Geräuschemission in der EU.

Die Reifen als Lärmquelle

Ab einer Geschwindigkeit von 35 km/h wird das Rollgeräusch zur dominierenden Lärmquelle eines Pkw, bei Lkw ungefähr ab 60 km/h. Reifen, die durch Aufbau und Materialzusammensetzung besonders leise rollen, können dazu beitragen, die Lärmbelästigungen durch den Straßenverkehr zu reduzieren. Denn Verkehrslärm führt insbesondere in Städten zu erheblichen Gesundheitsschädigungen. Der Lärmschutz bekommt mehr und mehr Bedeutung. Mit Recht: Verringerte Konzentrationsfähigkeit, Stress, beschleunigte Alterung des Herz-Kreislauf-Systems, erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Bluthochdruck... Das alles sind Folgen einer ständigen Lärmbelastung. Ein Dauerschallpegel über 80 Dezibel kann zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.

Das neue Reifenlabel illustriert die Lärmemissionen auf zwei Arten: Eine schwarze Schallwelle signalisiert, dass der Reifen die von der EU 2009 beschlossenen neuen und strengeren Grenzwerte um drei dB(A) oder mehr unterschreitet. Dies sind die leisesten Reifen.

rollgeraeusch 3 Eine schwarze Schallwelle signalisiert, dass der Reifen die von der EU 2009 beschlossenen neuen und strengeren Grenzwerte um drei dB(A) oder mehr unterschreitet. Dies sind die leisesten Reifen.
rollgeraeusch 2 Zwei schwarze Schallwellen kennzeichnen Reifen, die laut der EU-Grenzwerte ein oder unterschreitet diese um bis zu 3 dB(A).
rollgeraeusch 1 Drei schwarze Schallwellen bedeuten, dass der Reifen lediglich die lascheren aktuellen Grenzwerte für Neureifen einhält. Dies sind die mit den lautesten Rollgeräusch.

Fahrzeuge werden immer leiser, Elektrofahrzeuge sind kaum noch zu hören. Das lauteste Geräusch verursacht der Reifen. Deswegen wird stetig an einer Verringerung der Geräuschemissionen bei Reifen gearbeitet. Aber das ist noch nicht alles. Vergleicht man das Geräusch von mehreren Reifen, die entsprechend des EU-Reifenlabels alle eine Geräuschemission von 72 Dezibel haben, kann sich der eine angenehm ruhig anhören und der andere unangenehm laut.

Was ist Sound-Design?

Die Aufgabe der Akustiker bei den Reifenherstellern ist es, einerseits die tatsächliche Geräuschentwicklung zu senken und andererseits das Sound-Design zu optimieren. Doch wie kann der Mitarbeiter das Sound-Design des Reifens optimieren?

Ein praktisches Beispiel sind die Profilblöcke. Schauen Sie sich ihre Reifen mal genau an: Ihre Profilblöcke sind unterschiedlich breit, denn gleichmäßige Abstände können dafür sorgen, dass das Geräusch deutlich unangenehmer vom menschlichen Ohr wahrgenommen wird.

Die Geräuschemission und der Klang ebendieser ist sicher nicht das entscheidende Kriterium für den Kauf eines Reifens. Aber es veranschaulicht hervorragend, um was für ein High-Tech Produkt es sich bei Reifen handelt. Die gleiche Sorgfalt und Pedanterie, mit denen das Sound-Design optimiert wird, legen die Hersteller auch in die Optimierung der Leistungsfähigkeit der Reifen. Schließlich sind sie die einzige Verbindung des Autos zur Straße und deshalb eines der Bauteile am Fahrzeug, die entscheidend für unsere Sicherheit sind.

Fazit:

Beim Neureifenkauf zählt für viele neben dem Preis vor allem die Qualität der Reifen. Viele Autofahrer orientieren sich verstärkt an den Reifenlabeln. Selbstverständlich spielen der Spritverbrauch und die Fahreigenschaften auf nassen Untergrund eine zentrale Rolle beim Reifenkauf. Doch auch die Reifen-Fahrbahn-Geräusche sind ein wichtiger Faktor bei der Entscheidungsfindung, den Sie in Betracht ziehen sollten. Lassen Sie sich in diesen Punkten am besten umfassend bei Ihrer unabhängigen Kfz-Werkstatt beraten.

Übrigens… eine Werkstatt, der Sie mit gutem Gefühl Ihr Auto anvertrauen können, finden Sie bei uns in der Werkstattsuche

Haben Sie Fragen oder suchen Sie Antworten zu Themen, dann schicken Sie uns Ihre Fragen rund ums Autofahren! Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
 Fotos dieses Artikels:
Quelle: Continental

      Verwandte Artikel:


Inhaltsrechte Text und Bild