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Autokauf: Beim Kauf eines "Gebrauchten" genau hinsehen!

Geschrieben von cm. Veröffentlicht in Auto & Geld

Quelle: AUTOFAHRERSEITE.EUQuelle: AUTOFAHRERSEITE.EU

Der Kauf eines gebrauchten Autos stellt viele Autokäufer vor eine Herausforderung. Das Angebot ist riesig, das eigene Budget ist begrenzt und auf dem Markt tummelt sich eine Vielzahl unterschiedlicher Akteure. Wir helfen bei der Auswahl und Prüfung Ihres Wunschgebrauchten!

Hat man erst die Kleinanzeigen der einschlägigen Wochenblätter, Zeitungen, Fachzeitschriften und das umfangreiche Angebot in den Online-Portale angeschaut, dann findet man im Normalfall unzählige Angebote zu seinem Wunschfahrzeug und hat schon das ein oder andere Auto in der engeren Auswahl. Die Eckdaten stimmen und die Beschreibung macht neugierig. Der erste Schritt, um eine weitere Einschätzung des Angebotes vorzunehmen, sollte in einem Telefongespräch mit dem Verkäufer bestehen. Erscheint hier der Verkäufer bereits dubios, zwielichtig oder unfreundlich sollte man Vorsicht walten lassen und im Zweifelsfall einen anderen Anbieter suchen.

Das sollte im Telefongespräch angesprochen werden

Genauigkeit ist wichtig, also planen Sie das Telefonat im Vorfeld und schreiben sie sich die Punkte, die für Sie ausschlaggebend sind, auf. Diese Arbeiten arbeiten Sie dann während des Gesprächs nacheinander ab. Nehmen Sie sich Zeit und lassen Sie sich nicht drängen.

  • Persönliche Wunschliste: Haken Sie nach und nach am Telefon die einzelnen Punkte Ihrer Liste ab. Nichts ist ärgerlicher, als die Besichtigung eines Fahrzeugs, das nicht ihren Wünschen entspricht.
  • Terminierung: Wenn möglich sollte der Besichtigungstermin immer bei Tageslicht stattfinden, denn so können Mängel leichter entdeckt werden.
  • Der Prüfungsort: Idealerweise schauen Sie sich das Fahrzeug unter freiem Himmel an. Bei schlechtem Wetter nehmen sie das Fahrzeug ausweichend in einer Garage oder in einem Unterstand in Augenschein. Ein Tipp dazu: Im nassen Zustand sehen Lack und Karosserie immer besonders gut aus, lassen Sie sich also nicht blenden!
  • Ideal ist eine Hebebühne: Falls die Möglichkeit besteht, ist die Nutzung einer Arbeitsbühne (z.B. in einer befreundeten Werkstatt oder beim Verkäufer) natürlich perfekt. Idealerweise bringen Sie das Auto mit in Ihre unabhängige Werkstatt und werfen gemeinsam mit einem Fachmann einen Blick auf das Kfz. Sprechen Sie Ihre Werkstatt einfach vorher darauf an.
  • Genauigkeit: Gehen Sie in die Tiefe und klären Sie wichtige Detailfragen. Gibt es Rostbefall, welche Reparaturen wurden durchgeführt, ist das Serviceheft lückenlos, hat das Fahrzeug Unfallschäden?
  • Komplette Unterlagen: Sämtliche Unterlagen zum Fahrzeug, sprich Fahrzeugschein, Fahrzeugbrief, das letzte HU- Prüfprotokoll, Reparaturbelege, Rechnungen, das Inspektions-Scheckheft und natürlich den Personalausweis oder Reisepass des Verkäufers sollten Sie sich zeigen lassen.
  • Das Kfz: Der Wagen sollte „kalt“ besichtigt werden und nicht im Vorfeld warmgelaufen sein. Weisen Sie den Verkäufer darauf hin. Gern gebrauchte Ausreden warum auf den Käufer ein bereits warmgefahrener Wagen wartet sind z.B.: "da waren schon Interessenten da", "ich bin gerade eben mit dem Wagen noch gefahren“ oder "ich musste das Auto ja aus der Garage fahren". Lassen Sie sich in diesen Situationen nichts vormachen!

Wie und wo sollte man das Fahrzeug begutachten?

Suchen Sie sich während der Probefahrt einen Ort, z. B. einen Parkplatz, auf dem Sie das Auto in Ruhe begutachten können - am besten ohne den Verkäufer. Perfekt wäre ein Termin bei Ihrer unabhängigen Kfz-Werkstatt. Die fachkundigen Experten dort können Ihnen bei der Entscheidung weiterhelfen. Bei Autos aus dem Hochpreissegment können Sie, in Absprache mit dem Eigner, dort auch ein Gutachten oder einen aktuellen Zustandsbericht anfertigen lassen.

  • Lassen Sie sich Zeit: Planen Sie genug Zeit für den Termin ein, um eine gründliche Besichtigung und eine ausgiebige Probefahrt durchführen zu können.
  • Holen Sie sich Hilfe von außen: Vier Augen sehen mehr als zwei. Nehmen Sie einen technisch versierten Freund mit, der Ihnen nicht nur bei der Begutachtung des Fahrzeuges hilft, sondern sich auch einen Eindruck vom Verkäufer verschafft.
  • Was Sie mitbringen sollten: Eine Taschenlampe sollte genauso mitgenommen werden wie auch eine alte Decke, um sich bei der Überprüfung des Unterbodens und der unten liegenden Baugruppen nicht die Kleidung zu ruinieren. Außerdem sinnvoll: Ein altes Tuch oder ähnliches, falls es mal etwas abzuwischen gibt.
  • Die Probefahrt: Bringen Sie eventuell Ihr Navigationsgerät mit oder überlegen Sie sich im Vorfeld eine Testroute, falls Sie Sorge haben sich zu verfahren. Nehmen Sie, in Absprache mit dem Fahrzeuginhaber, die Probefahrt allein oder mit einem technisch versierten Berater vor, denn dabei sollten Sie sich nicht vom Halter ablenken lassen. Besonders sinnvoll ist es, eine Strecke mit Stadt-, Land-, und Autobahnabschnitten zu wählen. Prüfen Sie im Vorfeld, ob das Fahrzeug bei der Probefahrt versichert ist! Ist das Fahrzeug nicht angemeldet, benötigen Sie rote Händlerkennzeichen. In Fällen, in denen zur Probefahrt keine Händlerkennzeichen verfügbar sind, muss der Verkäufer rechtzeitig Kurzzeitkennzeichen für das Auto beantragen. Kaufen Sie kein Auto, dass Sie nicht auf der Straße probegefahren haben, egal was Ihnen der Verkäufer über die Gründe, warum dies nicht möglich ist, erzählt.

Jetzt geht’s los

Alle Dokumente (Fahrzeugschein, Fahrzeugbrief, das letzte HU- Prüfprotokoll, Reparaturbelege, Rechnungen und das Inspektions-Scheckheft) müssen den Lebenslauf des Autos wiederspiegeln und dürfen sich nicht wiedersprechen. Achten Sie dabei besonders darauf, dass die Kilometerstände auf Rechnungen und HU-Protokollen einen logischen Verlauf zeigen. Vorsicht! Eine identische Handschrift mit gleichem Kugelschreiber bei verschiedenen Eintragungen im Serviceheft kann auf eine Manipulation hinweisen! Prüfzettel von durchgeführten Ölwechseln, Austausch von Zahnriemen und Inspektionen sollten im Motorraum vorhanden sein. Auch Gebrauchsspuren helfen bei der Einschätzung des Fahrzeugs weiter. Ein Auto, das erst 30.000 Kilometer gelaufen hat, darf kein abgenutztes Lenkrad, speckige Gurte oder einen abgewetzten Schaltknauf aufweisen. Solche Mängel können auf eine Tachomanipulation hinweisen. Risse, eingedrückte Polster oder Stockflecke auf dem Fahrersitz weisen in der Regel auf eine hohe Laufleistung und schlechte Pflege hin.

Die allgemeine Bewertung des Autos

  • Bremsen: Die Bremscheiben müssen eine möglichst glatte Oberfläche aufweisen und frei von Dellen, Rissen, Riefen oder starkem Rost sein. Eine blaue Verfärbung der Bremsscheiben deutet darauf hin, dass Sie viel beansprucht werden. Bei der Probefahrt heiß gelaufene Bremsen deuten auf defekte Bremskolben oder- Bremsanlage hin.
  • Rost: Auch kleine Anhebungen des Lacks und wenige Rostbläschen können auf eine Durchrostung des Materials hindeuten. In vielen Fällen täuscht die Elastizität des Lacks über die Schwere des Korrosionsbefalls hinweg. Über typenspezifische Schwachstellen des Fahrzeugs kann man sich vorher informieren. Lohnenswert ist allerdings immer der Blick auf die Dome im Motorraum, die unteren Kanten der Türen und des Kofferraumdeckels sowie der Kofferraumboden und die Radläufe. Unterschiede in der Lackoberfläche, Farbe, Unebenheiten im Lack und Farbreste auf Dichtgummis oder Leisten weisen auf Nachlackierungen aufgrund von Rostbefall oder Unfallreparaturen hin (Spaltmasse beachten!).
  • Auspuff: Sie sollten den festen Sitz der Auspuffanlage und ihre Lautstärke überprüfen. Dazu bei der Probefahrt die Fenster öffnen und unter Last kurz Gas geben.
  • Außenbeleuchtung: Die Reflektoren der Scheinwerfer dürfen nicht angerostet, beschlagen oder blind sein. Das gleiche gilt für die Blinker und eventuell vorhandene Zusatzbeleuchtung.
  • Reifen und Felgen: Feine Risse im Reifengummi oder zu geringes Profil mindern den Kaufpreis, da in diesen Fällen aus Sicherheitsgründen neue Reifen angeschafft werden müssen. Ungleichmäßig abgefahrene Reifen deuten auf eine verzogene Spur und eventuell auch auf einen Unfallschaden hin. Felgen aus dem Zubehör müssen im Fahrzeugschein eingetragen sein oder über eine allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) verfügen und sollten keine Beschädigungen aufweisen. Fragen Sie den Verkäufer nach diesen Dingen!
  • Unterboden: Achten Sie auf Rost. Gerade ein neu aufgetragener Unterbodenschutz kann dabei auf den Versuch hinweisen, Roststellen zu überdecken.
  • Türen: Sollten leichtgängig sein und gut schließen. Die Gummidichtungen dürfen nicht porös oder rissig sein, sonst gelangt schnell Feuchtigkeit im Innenraum. Dann ist Schimmel die Folge.
  • Windschutzscheibe: Achten Sie auf Kratzer und Sprünge sowie auf Steinschläge! Durch einen Sprung in der Windschutzscheibe kann die Betriebserlaubnis erlöschen!

Motor/Getriebe/Motorraum

  • Motor, Getriebe, Bremsanlage: Hier sollten sich keine Stellen finden, an denen Flüssigkeiten austreten! Wichtig ist dabei besonders, dass Schläuche und Anschlüsse vollständig dicht sind.
    Öffnen Sie den Einfülldeckel für das Motoröl. Weißer Schaum unter dem Deckel weist auf eine defekte Zylinderkopfdichtung oder häufigen Kurzstreckenbetrieb hin. Kontrollieren Sie den Ölstand und den Zeitpunkt des letzten Ölwechsels. Der Kilometer-Stand und Eintragungen auf dem Ölwechsel-Anhänger müssen zueinander passen.
  • Kühler: Sprudelt das Kühlwasser bei laufendem Motordeutet das auf eine defekte Zylinderkopfdichtung im Endstadium hin. Die Kühlflüssigkeit darf kein Öl und keine Rostpartikel enthalten. Vorsicht, Kühler bzw. Ausgleichsbehälter sollte nur ein Fachmann öffnen, hier droht Verbrennungsgefahr!
  • Motorraum: Eine kürzlich vorgenommene Motorwäsche deutet auf Reparaturen und Undichtigkeiten hin, klären Sie dies ab!    
  • Steuerkette/Zahnriemen: Wann wurde der letzte Zahnriemenwechsel gemacht? Wie sind die Intervalle? Steht ein Wechsel an, ist eine Nachverhandlung des Preises unbedingt ratsam. Machen Sie sich auch wegen der Steuerkette kundig. Es gibt in der Gebrauchtwagenlandschaft durchaus das eine oder andere Modell, bei dem ein Wechsel der Steuerkette ab bestimmten Kilometerleistung notwendig ist.

Innenraum/Interieur

  • Tachometer: Bei bestehendem Zweifel an der Kilometerleistung sollten Sie das Kfz unbedingt in der freien Fachwerkstatt überprüfen lassen. Denn nur der Fachmann kann eventuelle Tachomanipulationen sicher feststellen!
  • Elektrik: Unterziehen Sie alle Bedienungselementen, die Heizung und Klimaanlage, die Hupe, das Radio, elektrische Fensterheber, Beleuchtungseinrichtungen, elektrische Spiegel, die Scheibenwischern und alle weiteren elektronischen Komponenten einer Funktionsprüfung.
  • Matten und Teppiche: Achten Sie auf Feuchtigkeit unter den Fußmatten und Teppichen.
  • Sitze/Gurte: Die Sitze sollten nicht durchgesessen sein und müssen sich verstellen lassen (nicht verstellbare Sitze sind ein Mangel bei der HU). Achten Sie darauf, ob das Dekor zum restlichen Innenraum passt, denn ausgetauschte Sitze weisen manchmal auf einen Unfall oder die versuchte Verschleierung der Kilometerleistung hin. Die Sicherheitsgurte müssen in gutem Zustand sein und sollten sich problemlos und von alleine aufrollen.
  • Kfz-Ausstattung: Der Verbandkasten, das Reserverad, der Wagenheber, das Bordwerkzeug und das Bedienungshandbuch gehören ins Auto. Hochwertiges Zubehör wie Navigationsgeräte, TV, Soundanlage etc. sollten mit in den Kaufvertrag aufgenommen werden!

Kaufen Sie bei einem Händler oder privat?

Viele Autofahrer kaufen Ihr Fahrzeug vorzugsweise aus privaten Händen, denn der Privatkauf hat eine persönlicher Note. Außerdem lassen sich, zu mindestens im ersten Moment, einige Kosten einsparen. Garantien oder eine zwölfmonatige Sachmängelhaftung gibt es allerdings nur beim Kfz-Händler. Privatverkäufer können die Sachmängelhaftung im Kaufvertrag ausdrücklich ausschließen.  

Fazit

Schauen Sie zweimal hin. Hören Sie genau hin, was der Verkäufer sagt. Auch mündliche Auskünfte des Verkäufers über das Auto sind rechtlich bindend. Welchen Eindruck haben Sie vom Auto und Verkäufer, passt alles zusammen? Nehmen Sie einen Vertragsvordruck mit, Vorlagen bekommen Sie im Schreibwarengeschäft oder online bei verschiedenen Automobilclubs.
Wenn Sie bereits ein Auto ins Auge gefasst haben und auf Nummer sicher gehen wollen, lassen Sie das Auto von Ihrer unabhängigen KFZ-Fachwerkstatt durchchecken, denn der Fachmann sieht die Schwachpunkte, die dem Laien verborgen sind.

Übrigens… eine Werkstatt, der Sie mit gutem Gefühl Ihr Auto anvertrauen können, finden Sie bei uns in der Werkstattsuche

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