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Ist dieser 6€-Chip Teslas Kryptonit?

Geschrieben von cm. Veröffentlicht in Reparatur

Quelle: AUTOFAHRERSEITE.EUQuelle: AUTOFAHRERSEITE.EU

Tesla Fahrzeuge sind rollende Computer – diese Werbeaussage von Elon Musk ist wahr, hat jedoch Vor- und Nachteile. Denn mit der Computertechnik ziehen neben “Autopilot“, Videospielen wie “Asteroids“ und anderen Apps auch neue Fehlerquellen ins Auto ein. So wird ein Speicherchip, der im Einkauf deutlich unter 10€ kostet, offenbar zur Schwachstelle der Tesla-Systeme und ähnliche Komponenten könnten zukünftig sogar zu normalen Verschleißteilen im Auto werden.

Tesla verbaut in seinen Autos Elektronikkomponenten, die sich mehr oder minder direkt von denen ableiten, die auch in aktuellen Computern und Smartphones zum Einsatz kommen. Sie sitzen unter dem großen mittigen Bildschirm im Armaturenbrett, der bei Tesla “Media Control Unit“ – kurz MCU heißt. In kompakter Anordnung finden sich dort beispielsweise ein Prozessor (CPU), ein Grafikprozessor (GPU) für die Fahrerassistenzsysteme und natürlich auch Datenspeicher.

Der Datenspeicher wird zum Verschleißteil

Als Speichermedium setzt Tesla Flash-Speicher ein, die man im PC-Bereich seit einigen Jahren aus SSDs und davor schon sehr viel länger aus Speicherkarten, USB-Sticks und Co. kennt. Flash-Speicher sind unempfindlich gegen Stöße und ähnliches, da sie anders als klassische Festplatten keine beweglichen Teile enthalten. Stattdessen besteht der Speicher aus Chips, die viele winzig kleine Zellen enthalten. Vereinfacht ausgedrückt, werden in diesen Zellen mittels elektrischen Stroms geladene Teilchen hin- und herbewegt, um die Daten zu speichern. Müssen die Daten häufig gelöscht oder überschrieben werden, hinterlässt dies jedoch mit der Zeit Spuren, die Zellen verschleißen.

Dieser Verschleiß sorgt bei Tesla aktuell offenbar für Kopfzerbrechen. Denn die Fahrzeugsoftware der Kalifornier ist so programmiert, dass Sie extrem viele und detaillierte Aufzeichnungen darüber führt, was mit dem Auto geschieht und welche Funktionen wie genutzt werden. Mit jedem großen Software-Update kommen bei Tesla neue Funktionen hinzu, die Aufzeichnungen wachsen entsprechend immer schneller. Der Speicherplatz, der dafür zur Verfügung steht, wird außerdem immer kleiner, wenn das eigentliche Betriebssystem um neue Updates erweitert wird. Ist der Speicher voll, werden alte Aufzeichnungen überschrieben. Die Folge ist Verschleiß der Flash-Chips, der mit der Zeit auch das Auslesen der eigentlichen Fahrzeugsoftware erschwert oder unmöglich macht.

Im Schadenfall drohen teure Reparaturen

Häufige Abstürze des MCU sind die Folge, mit der Zeit kann das System sogar ganz ausfallen. Da bei Tesla fast alle Funktionen über das MCU und dessen Touchscreen gesteuert werden, führten Fehlfunktionen laut Kundenberichten beispielsweise zu Totalausfällen der Lüftung inklusive Klimaanlage und Heizung. 

Da der fragliche Speicherchip fest verlötet ist, tauscht Tesla bei der Reparatur das komplette MCU aus, was die Kunden außerhalb der Garantiezeit etwa 3.000 € kostet. Als alternativer Reparaturweg wäre eine Instandsetzung möglich, bei der nur der betroffene Chip ausgetauscht wird. Diese führen allerdings nur einige Spezialisten durch, die über entsprechendes Spezialwerkzeug verfügen. Dennoch liegen die Kosten dafür deutlich unter denen des Austauschs bei Tesla.

Ist künftig nicht nur Tesla betroffen?

Um das Problem bei neuen Fahrzeugen künftig zu vermeiden, hat Tesla die Kapazität der Flash-Speicher bei Fahrzeugen ab 2018 vervierfacht. Besitzer dieser Fahrzeuge können sich also die nächsten Jahre in Sachen Flash-Speicher-Verschleiß etwas zurücklehnen. Wächst die Fahrzeugsoftware mit der bisherigen Geschwindigkeit weiter, ist es jedoch nur eine Frage der Zeit, bis auch die ersten dieser Fahrzeuge mit ähnlichen Problemen auffallen.

Insbesondere diejenigen, die Tesla und seinen Produkten ohnehin kritisch gegenüberstehen, werden dieses Thema sicherlich als neuerliche Bestätigung ihrer Vorurteile sehen. Dies ist jedoch etwas zu kurz gegriffen. Denn auch wenn die Problematik durch die Eigenheit der Tesla-Software, ausufernde Aufzeichnungen über alle erdenklichen Ereignisse abzuspeichern, verstärkt wird, kann sie prinzipiell jedes moderne Auto mit viel Technik betreffen.

Sind Steuergeräte bald neue Verschleißteile?

Mit ihren hohen Lese- und Schreibraten sind Flash-Speicher aus leistungsfähigen Computersystemen derzeit kaum wegzudenken. Damit haben sie auch in Autos mit modernen Fahrerassistenzsystemen oder autonomen Fahrfunktionen einen festen Platz. Gerade Assistenzsysteme, die hochauflösende Videos und viele andere Sensordaten (zwischen-) speichern müssen, können dann für verhältnismäßig schnellen Verschleiß der Speicherzellen im Auto sorgen.

Natürlich reden wir hier nicht davon, dass die autonomen Fahrzeuge der Zukunft alle 15.000 km statt zum Ölwechsel zum Speicherwechsel fahren werden. Dies insbesondere, da sich Software so programmieren lässt, dass sie schonend und sparsam mit dem vorhandenen Flash-Speicher umgeht. Dennoch ist schon denkbar, dass Fahrzeuge mit höheren Laufleistungen ab 150.000 km, die neue Steuergeräte oder Speicherkarten benötigen, irgendwann zum Alltag der Werkstätten gehören könnten.

Fazit

Die sich häufenden Berichte über Probleme mit den Flash-Speichern von Tesla-Fahrzeugen sollten nicht nur Besitzer von Model S und Co. kennen, sondern auch alle, die mit dem Kauf eines gebrauchten Stromers liebäugeln. Verglichen mit den Kosten, die konventionell angetriebene Autos im Alter verursachen können, fallen die Kosten für einen MCU-Tausch bei Tesla jedoch nicht wirklich aus der Reihe. Wenn man darüber Informiert ist, muss die Thematik also kein Ausschlussgrund für einen Kauf sein.

Wie künftige Fahrzeuge mit der Problematik durch Speicher-Verschleiß umgehen, bleibt aktuell noch abzuwarten. Wir beobachten das Thema gespannt weiter.

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