Sicherheit geht vor: Fuß vom Gas bei Aquaplaning
Quelle: Konstantin Tschovikov / ACEEine Wasserlache auf der Autobahn, schlechte Sicht und das Auto verliert für ein paar Schrecksekunden die Bodenhaftung. Aber was ist Aquaplaning eigentlich und wie sollte ich mich im Falle plötzlicher Wasserglätte verhalten?
Was ist Aquaplaning?
Aquaplaning, auch "Wasserglätte“ genannt, tritt bei starken Niederschlägen auf. Auf der Fahrbahnoberfläche kommt es aufgrund des Niederschlags zu einem Wasserfilm oder lang gezogenen Wasserlachen. Wenn nun ein Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit über diese Wasserfläche fährt, bildet sich vor den Reifen ein Wasserkeil, der nicht schnell genug an den Seiten der Reifen entweichen kann. Das Wasser wird nicht mehr schnell verdrängt, das Fahrzeug verliert die Haftung und schwimmt auf. Innerhalb dieses Stadiums kann das Fahrzeug nicht mehr gesteuert oder verzögert werden, da es auf der Wasseroberfläche gleitet.
Wo ist mit Aquaplaning zu rechnen?
Grundsätzlich kann es bei starken Niederschlägen überall zu Aquaplaning kommen. Vermehrt tritt das Phänomen aber in Senken oder an starken Steigungen bzw. Gefällen auf. In den überwiegenden Fällen sind Bundesstraßen oder Autobahnen betroffen. Begünstigend sind z. B. veraltete, ausgefahrene Straßenbeläge, in dem evtl. bereits Fahrrinnen eingefahren wurden oder ein alter Asphalt, dessen Drainagetechnik weniger durchlässig für Wasser ist.
Welche Eigenschaften des Autos fördern Aquaplaning?
Gerade Parameter wie Reifendruck und Profiltiefe sind ausschlaggebende Faktoren, die den Auftritt von Aquaplaning begünstigen. Dabei gilt: Je niedriger der Reifendruck, desto schneller kann der Reifen aufschwimmen. Kontrollieren Sie daher regelmäßig alle vier Wochen und vor dem Antritt einer längeren Autobahnfahrt den Reifendruck.
Ein weiterer Negativ-Faktor ist die Profiltiefe der Reifen, denn je weniger Profil vorhanden ist, umso weniger Wasser kann durch die Profilrillen entweichen und der Pkw schwimmt früher auf. Dabei gilt als Basiswert die Profiltiefe von mindestens 3,5 mm, danach lässt die Aquaplaning-Performance rapide nach. Überprüfen Sie die Profiltiefe Ihrer Reifen unbedingt regelmäßig, spätestens alle 2.000 km. Lassen Sie ihr Fahrwerk und Ihre Stoßdämpfer in einer freien Kfz-Fachwerkstatt prüfen, denn gerade defekte oder nachlassende Stoßdämpfer begünstigen durch ihre Trägheit den Aufbau von Aquaplaning.
Ein weiterer Faktor ist die Breite der am Fahrzeug verbauten Reifen. Gerade Sport- oder Breitreifen begünstigen Aquaplaning, da bei diesen Pneus die Zone vor dem Reifen, auch Schwallgebiet genannt, breiter ist und deswegen wesentlich mehr Wasser verdrängt und abgebaut werden muss. Die Fließwege des Wassers werden länger und können nur durch eine ausgeklügelte Rillenstruktur des Reifens ausgeglichen werden. Trotz aller technischen Bemühungen tendieren Breitreifen zu einem wesentlich früheren Aufschwimmen als eine durchschnittliche Bereifung.
Was sollte ich in puncto Sicherheit beachten?
Verringern Sie bei starkem Regen Ihre Geschwindigkeit und passen Sie Ihre Fahrweise der Witterung an. Je höher der Wasserstand auf der Fahrbahnoberfläche ist, desto weniger Geschwindigkeit ist nötig, um die sogenannte Aufschwimmgeschwindigkeit zu erreichen.
Im Rahmen von ADAC-Reifentests wurde festgestellt, dass ein normaler Pkw bei einer Wassertiefe von 7 mm und Reifen mit Ausgangsprofiltiefe von ca. 8 mm bei einer Geschwindigkeit von ca. 75 bis 85 km/h aufschwimmt. Ausnahmen gab es nur bei besonders schmalen Neureifen (155 mm), deren Aufschwimmgeschwindigkeiten bei Werten über 90 km/h lagen. Also: Fuß vom Gas und die Geschwindigkeit auf unter 80 km/h reduzieren!
Was bringen ESP oder ABS?
Kurz gesagt: Gar nichts. Denn Assistenzsysteme wie ESP oder ABS sind von einem Mindestkontakt zur Fahrbahn abhängig. Da im Moment des Aufschwimmens allerdings kaum Reibwerte an der Auflagefläche des Reifens zur Fahrbahn existieren, können Fahrsicherheitssysteme keine stabilitätsfördernden Maßnahmen einleiten und sind somit erst im Moment des wieder einsetzenden Fahrbahnkontakts von Bedeutung. Erst an diesem Punkt kann das ESP eingreifen, um einen gleichmäßigen Kontakt aller Reifen zur Straße wieder herzustellen.
Wie soll ich mich bei einsetzendem Aquaplaning verhalten?
Zunächst einmal ist es sehr wichtig, Aquaplaning durch eine angepasste Fahrweise grundsätzlich zu vermeiden.
Aquaplaning kann man an folgenden Faktoren erkennen:
- Bei frontangetrieben Fahrzeugen ohne ESP schwankt im Moment des Erreichens der Aufschwimmgeschwindigkeit die Drehzahl.
- Bei Fahrzeugen mit ESP flackert die Kontrollleuchte des ESP-Systems oder leuchtet für ein paar Sekunden sogar durchgängig.
- Sie spüren das Aufschwimmen an den schwächer werdenden Zugkräften im Lenkrad.
- Bei heckangetriebenen Kfz ist ein Aufschwimmen der Vorderräder schwerer zu erkennen. Achten Sie auch hier auf die Zugkräfte am Lenkrad und den Einfluss Ihrer Lenkbewegungen auf die eingeschlagene Richtung.
Sollte es zu einem Aufschwimmen des Fahrzeugs kommen, beachten Sie bitte folgende Regeln:
- Bleiben Sie gelassen, bremsen Sie nicht und machen Sie keine Lenkbewegungen, sondern halten Sie das Lenkrad ruhig in der ursprünglichen Position.
- Treten Sie die Kupplung oder gehen Sie, bei einem Automatik-Fahrzeug, leicht vom Gas.
- Sollte aufgrund der Verkehrslage eine Bremsung notwendig sein, bremsen Sie mit leicht pumpenden Bewegungen, damit ein Blockieren der Räder vermieden werden kann. Sollte Ihr Fahrzeug ABS besitzen, bremsen Sie mit Gefühl, der Situation angepasst. Das ABS wird dann selbstständig eine Intervallbremsung einleiten und versuchen, ein Blockieren der Räder zu regulieren.
Zusätzliche Tipps bei Aquaplaning:
- Reduzieren Sie bei starken Niederschlägen Ihre Geschwindigkeit und fahren pendeln Sie Ihre Geschwindigkeit bei starkem Regen und einer Lachenbildung deutlich unterhalb 80 km/h ein.
- Stellen Sie das Radio und Entertainmentsysteme, damit sie Wassergeräusche und ein Ansteigen der Motordrehzahl, als Hinweis für ein Aufschwimmen, schneller registrieren können.
- Schalten Sie das Abblendlicht ein.
- Beobachten Sie evtl. eintretende Gischt-Erzeugung und Wasserschwalle von vorausfahrenden Fahrzeugen.
- Erhöhen Sie den Sicherheitsabstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen.
- Achten Sie auf die Fahrbahnoberfläche, gerade auf der rechten Spur befinden sich oft ausgefahrene Spuren der Lkw, in denen sich Wasser sammelt. Fahren Sie leicht versetzt zu den Spuren.
- Bleiben Sie in der Verdrängungsgasse Ihres Vordermanns, denn dort ist bereits ein Teil des Wasserfilms abgebaut.
- Lassen Sie Ihr Kfz regelmäßig von Ihrer freien Kfz-Meisterwerkstatt checken.
- Um mehr Sicherheit und Routine für solche Situationen zu gewinnen, bieten sich Fahrsicherheitstrainings an.
Hier eine Übersicht der geläufigsten Anbieter von Fahrsicherheitstrainings
Fazit
Die erste Regel bei Aquaplaning lautet: keine Panik. Behalten Sie immer einen kühlen Kopf und bleiben Sie gelassen. Machen Sie keine hektischen Lenkbewegungen und reduzieren Sie langsam und gefühlvoll die Geschwindigkeit. Fahren Sie vorausschauend und gleichmäßig, dann nehmen Sie einem auftretenden Aquaplaning schon mal einiges an Schrecken.
Ein regelmäßiger Check bei Ihrer freien Fachwerkstatt ist wichtig, um die Sicherheitsstandards Ihres Fahrzeugs beizubehalten und sämtliche sicherheitsrelevanten Systeme technisch instand zu halten. Nehmen Sie gerne unsere Werkstattsuche zurate, wenn Sie einen Betrieb suchen, der Ihr Fahrzeug fachgerecht wartet und repariert. Und wenn Sie Sie sich auf solche und andere Gefahrenmomente noch besser vorbereiten möchten, nehmen Sie an einem Fahrsicherheitstraining teil …
Übrigens… eine Werkstatt, der Sie mit gutem Gefühl Ihr Auto anvertrauen können, finden Sie bei uns in der Werkstattsuche
Haben Sie Fragen oder suchen Sie Antworten zu Themen, dann schicken Sie uns Ihre Fragen rund ums Autofahren!
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Quelle: Konstantin Tschovikov / ACE
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